„Der möchte doch nur Hallo sagen.“
Ein Satz, den wahrscheinlich fast jeder Hundehalter schon einmal gehört hat.
Doch muss ein Hund eigentlich jeden anderen Hund kennenlernen? Muss er mit fremden Hunden spielen?
Und ist ein Hund, der lieber Abstand hält, deshalb weniger sozial?
Nein. Hunde sind soziale Lebewesen – trotzdem bedeutet Sozialverhalten nicht, dass jeder Hund mit jedem anderen Hund Kontakt haben möchte. Auch Hunde haben unterschiedliche Erfahrungen, Bedürfnisse und Vorlieben. Der eine geht offen auf fremde Hunde zu, ein anderer braucht zunächst Zeit und Abstand. Manche Hunde haben ausgewählte Sozialpartner und wenig Interesse an fremden Artgenossen. Entscheidend ist deshalb nicht die Anzahl der Hundekontakte, sondern vielmehr, wie ein Hund Begegnungen erlebt und bewältigen kann.
Soziale Kompetenz braucht nicht immer Nähe.
Wenn wir von Sozialverhalten sprechen, denken viele zunächst an zwei Hunde, die miteinander spielen.
Dabei gehört noch viel mehr dazu. Hunde können ihre Bewegungsrichtung verändern, Distanz vergrößern, stehen bleiben, sich abwenden oder eine Annäherung unterbrechen. Auch das gehört zur Kommunikation.
Wichtig ist allerdings: Ein einzelnes Verhalten erzählt uns noch nicht automatisch, wie sich ein Hund gerade fühlt. Ein Hund, der beispielsweise schnüffelt oder den Blick abwendet, kann dies aus unterschiedlichen Gründen tun. Deshalb sollten wir nicht versuchen, jedes einzelne Signal nach einem festen Schema zu übersetzen. Entscheidend sind Situation, vorausgegangenes Verhalten und das Gesamtbild der Körpersprache.
Abstand ist nicht gleichbedeutend mit Angst.
Wenn ein Hund mehr Distanz zu einem anderen Hund möchte, bedeutet das nicht automatisch, dass er Angst hat oder „schlecht sozialisiert“ ist. Distanz kann eine vollkommen angemessene Strategie sein. Unser Ziel sollte deshalb nicht grundsätzlich sein, den Abstand zwischen zwei Hunden immer weiter zu verkleinern. Manchmal besteht ein großer Trainingserfolg darin, dass ein Hund einen anderen wahrnimmt, die Situation einschätzen kann und anschließend entspannt weitergeht.
Warum Begegnungen an der Leine schwierig sein können.
An der Leine können Hunde ihre Distanz und Bewegungsrichtung nicht vollständig selbst bestimmen. Ein Hund kann beispielsweise nicht einfach einen großen Bogen laufen oder sich beliebig weit entfernen, wenn der Mensch mit der Leine die Richtung vorgibt. Genau deshalb müssen sich Hunde an der Leine auch nicht zwangsläufig begrüßen. Ein Spaziergang, bei dem zwei Hunde mit genügend Abstand aneinander vorbeigehen können, kann eine sehr gute Hundebegegnung sein.
Schau hin, bevor Dein Hund reagieren muss.
Viele Menschen bemerken eine schwierige Hundebegegnung erst dann, wenn der eigene Hund bellt, in die Leine springt oder nicht mehr ansprechbar ist. Dabei lohnt es sich, viel früher hinzuschauen.
- Verändert sich die Körperspannung?
- Verändert sich das Tempo?
- Wird die Bewegung langsamer oder hektischer?
- Wie trägt der Hund seine Rute?
- Wie verändern sich Ohren, Gesicht und Blick?
- Verlagert er sein Gewicht?
- Kann er sich wieder vom anderen Hund lösen?
- Kann er seine Umgebung noch wahrnehmen?
Und vor allem: Wie verändert sich das Gesamtbild meines Hundes? Je früher wir solche Veränderungen wahrnehmen, desto früher können wir reagieren und unserem Hund beispielsweise mehr Abstand ermöglichen.
„Da muss er jetzt durch“ ist nicht automatisch Training
Gerade bei Hunden, die Schwierigkeiten mit Artgenossen haben, hält sich hartnäckig die Vorstellung, sie müssten möglichst häufig und möglichst nah mit anderen Hunden konfrontiert werden, damit sie sich daran gewöhnen. Doch Lernen funktioniert nicht allein dadurch, dass eine Situation oft wiederholt wird. Ist eine Begegnung für einen Hund regelmäßig zu schwierig oder emotional zu belastend, kann er auch lernen: Andere Hunde bedeuten Stress.
Deshalb ist es sinnvoller, Trainingssituationen so zu gestalten, dass der Hund überhaupt noch lernen und angemessen reagieren kann. Die passende Distanz ist dabei individuell. Was für einen Hund auf fünf Metern problemlos möglich ist, kann für einen anderen auf zwanzig Metern bereits schwierig sein. Und auch beim gleichen Hund kann sich diese Distanz von Tag zu Tag und von Hund zu Hund verändern.
Orientierung am Menschen – ohne Kommunikation zu unterdrücken
Natürlich darf und soll ein Hund lernen, sich in schwierigen Situationen an seinem Menschen zu orientieren.
Mir ist dabei aber wichtig, dass wir nicht ausschließlich darauf achten, ob der Hund „funktioniert“.
- Ein Hund darf einen anderen Hund anschauen.
- Er darf Informationen sammeln.
- Er darf kommunizieren.
Und er darf anschließend lernen, sich wieder zu lösen und gemeinsam mit seinem Menschen weiterzugehen. Training bedeutet für mich deshalb nicht, sämtliche Reaktionen zu verhindern. Es bedeutet, dem Hund Fähigkeiten mitzugeben, mit denen er Situationen zunehmend besser bewältigen kann.
Sozial kompetent bedeutet nicht: „Ich mag jeden.“
Ein sozial kompetenter Hund muss nicht mit jedem Artgenossen spielen.
Er muss auch nicht jeden fremden Hund begrüßen.
Er darf lernen:
- Ich kann andere Hunde wahrnehmen.
- Ich kann Abstand halten.
- Ich kann mich annähern, wenn die Situation dazu passt.
- Ich kann mich wieder entfernen.
- Und ich kann mich an meinem Menschen orientieren.
Gleichzeitig sollten wir Menschen lernen, genauer hinzusehen. Denn je besser wir die Körpersprache unseres Hundes verstehen, desto besser können wir einschätzen, wann wir ihm etwas zutrauen können, wann er Unterstützung braucht – und wann Abstand vielleicht die beste Entscheidung ist. Genau darum geht es auch in meinem Sozialkompetenz-Training: Nicht möglichst viel Hundekontakt. Sondern gute Erfahrungen, angemessene Kommunikation und ein Mensch, der seinen Hund verstehen und sicher begleiten kann.
Gerne begleitet ich Dich und Deinen Hund sozial kompetenter und sicherer in Hundebegegnungen zu werden.
Den Kurs Hundebegegnungen-Sozialkompetenz-Training findet ihr unter Kurse. Bei Rückfragen gerne auch per WhatsApp!
